Das N-Wort

Glattgedanken

| Christian Ulrich

Wenn ich meinen Enkeln aus Pippi Langstrumpf vorlese, ist auch von einem N...-König die Rede. Dieses Wort umgehe ich und rede von Schwarzen. Nicht so einfach lässt sich das Problem lösen, wenn das N-Wort an der Wand prangt wie in einem stadtbernischen Quartierschulhaus. Dort hängt seit 1949 ein Fresko zweier anerkannter Berner Künstler, die beide inzwischen verstorben sind (Tages-Anzeiger vom 4.9.2020). Das Werk steht unter Denkmalschutz und die Kunstwissenschaft ist sich einig über dessen hohe künstlerische Qualität.

Das Fresko besteht aus 23 quadratischen Tafeln, die den Schülerinnen und Schülern der Unterstufe das Alphabet mit Bildern veranschaulichen sollen: Das U mit einem Uhu, das V mit einem Vulkan – und das N mit dem Kopf eines Schwarzen mit klein gekraustem Haar und reichlich Schmuck um den Hals.

Das Wandbild kommt unverhofft ins Gespräch, weil am 15. Juni über Mittag Unbekannte ins Schulhaus eindringen und die N-Tafel sowie zwei andere mit schwarzem Kunstharzlack zerstören. In einem Bekennerschreiben an den Berner „Bund“ fordern die Täter, das Bild müsse weg, es sei „Ausdruck eines institutionellen Rassismus“. Die linksgrüne Stadt-regierung gibt bekannt, sie verstehe die Wut der Täterschaft und reiche deshalb keine Anzeige ein. Der betroffene Schulleiter meint: „Die Stadt beugt das gültige Recht, das empfinde ich als Skandal.“

Liebe Lesende: Was meinen Sie zu dieser Geschichte? Wenn ihr Kind dort zur Schule ginge? Wenn ihr Sohn zu den Tätern gehören würde? Wenn Sie dort als Lehrperson unterrichten würden? Wenn ihr Vater oder Grossvater einer der Künstler gewesen wäre? - Ihre Reaktion als Leserbrief würde mich sehr freuen; je kürzer desto besser. (Einfach Kommentarfeld ausfüllen)

Zurück