Das Glattfelder Vereinsleben kommt nur zögerlich wieder in Gang

| Karin Steiner

Wie sind Glattfelder Vereine nach dem Lockdown in die Normalität zurückgekehrt? Eine Umfrage zeigt, dass es nicht immer einfach ist, das Schutzkonzept des BAG umzusetzen.

Für Vereine, die ihre Aktivitäten im Freien ausüben oder grosse Räume zur Verfügung haben, war es wesentlich einfacher, das Vereinsleben wieder aufzunehmen. So kann zum Beispiel wieder Tennis gespielt werden. «Wir mussten ein Schutzkonzept erstellen, was wir mit Hilfe des Vorstands und dank guten Informationen von Swiss Tennis umgesetzt haben», sagt Thomas von Ah, Präsident des Tennisclubs Glattfelden. «So konnten wir relativ schnell wieder Tennis spielen. Seit Anfang Juni ist auch das Clubhaus wieder offen. Wir mussten nur eine Platzreservation-Onlinellösung einführen, um das Contact Tracing umsetzen zu können.» Anders sieht es bei den Sportschützen Glattfelden aus, denen Thomas von Ah ebenfalls als Präsident vorsteht. «Der Junioren-Leiter und Vizepräsident Heinz Gut war sehr aktiv und musste den Trainingsbetrieb und die Schutzmassnahmen organisieren», sagt er. «Auch jetzt ist noch kein ganz normaler Trainingsbetrieb möglich, da der SSV ein Schutzkonzept veröffentlicht hat, welches die Abstandsregelung und die maximale Anzahl der Stand-Benützer innerhalb des Schiessstandes regelt. Aber es können wieder zwei Trainings in der Woche abgehalten werden. Die Schützenstube ist noch geschlossen.»

Vorläufige Pause

Vereine, deren Mitglieder mehrheitlich älter sind und der Risikogruppe angehören, haben ihr Vereinsleben teilweise vorläufig eingestellt. «Wir werden unseren Turnbetrieb erst nach den Sommerferien wieder aufnehmen da wir einige Personen, die zur Risikogruppe gehören, bei uns im Turnbetrieb haben», sagt Kathrin Lee, Präsidentin des Frauenturnvereins Glattfelden. «Wir haben vom schweizerischen Turnverband ein Konzept vorgeschlagen bekommen, dieses haben wir für unseren Verein überarbeitet und an dieses werden wir uns dann halten. Es wird jedoch ein Problem mit der Anzahl turnenden Personen in der Halle geben, da im Moment zehn Quadratmeter pro Person eingehalten werden müssen. Wir hoffen diesbezüglich noch auf eine Lockerung bis nach den Sommerferien.» Es werde aber sicher schwierig sein, die Frauen nach einer so langen Turnpause wieder zum wöchentlichen Training zu motivieren.

Auch der Männerchor Glattfelden beginnt nach aktuellem Stand erst nach den Herbstferien mit den Proben. «Wir haben zurzeit keinerlei Vereinsaktivitäten ausser der Korrespondenz mit den Mitgliedern», sagt Präsident Otto Hollenstein. Als Hauptgrund nennt er den geforderten Personenabstand von zwei Metern. «Für viele Laiensänger wäre es sehr schwierig, so zu singen, da man einander kaum hört. Und wir würden einen grösseren Proberaum benötigen. Eine anonyme Online-Umfrage in unserm Chor hat ergeben, dass mindestens die Hälfe der Mitglieder unter diesen Voraussetzungen nicht zur Probe kommen würde.» So ist auch das Waldfest am 30. August abgesagt. «Ob wir Ende November den geplanten Auftritt im Altersheim wahrnehmen können, ist noch offen.»

Aktiv eingestiegen

Ein zu kleiner Proberaum ist für die Musikgesellschaft Glattfelden kein Hindernis, und so wurde das Vereinsleben im Hofkeller bereits wieder aufgenommen. «Erfreulicherweise sind fast alle Mitglieder erschienen», sagt Präsidentin Andrea Weber. «Die Plätze sind so weit auseinander, dass wir den ganzen Raum ausfüllen und nicht wie sonst kompakt zusammensitzen. Dies gibt zwar akustisch ein verändertes Bild, womit wir aber gut umgehen können.» Streng eingehalten werden die Vorgaben nach Schutzkonzept des BAG und des Schweizerischen Blasmusikverbandes. Das heisst: Abstand halten – jeder Platz ist markiert und beschriftet –, regelmässiges Händewaschen oder desinfizieren, grössere Pausen einlegen, um den Raum zu lüften und sorgfältiger Umgang mit dem Kondenswasser der Instrumente. Andrea Weber hofft, die Abendunterhaltung wie geplant am 14./15. November durchführen zu können. «Alles andere wird spontan entschieden. Möglicherweise gibt es noch ein Sommerständli in Glattfelden, wenn wir wieder etwas eingespielt sind und es das Wetter zulässt.»

Nachbarschaftshilfe stagniert

Während des Lockdowns haben viele Freiwillige in Glattfelden Grossartiges geleistet. Doch seit der teilweisen Öffnung ist vieles anders geworden. «Für einen Verein wie MiFü, der von Senioren für Senioren unterstützende Angebote und Aktivitäten anbietet und organisiert, ist es nicht einfach, wieder in eine neue Normalität zu starten», sagt Werner Keller, Präsident des Vereins «Mitänand Füränand». «Einerseits sind die offiziellen Lockerungen für viele ältere Mitmenschen eine Gelegenheit wieder aktiv zu sein. Anderseits gelten die Definitionen für die Risikogruppen nach BAG immer noch, genauso wie die Abstandsregeln. Das schränkt ein.» So seien bis jetzt nur der Mahlzeitendienst und Fahrdienst für dringende Fälle wieder aktiv. «Viele Seniorinnen und Senioren sind wieder selbstständig unterwegs und erledigen ihre Einkäufe selbst. Das heisst, die Nachbarschaftshilfe ist praktisch gegen Null zurückgegangen.» Wie sich das Vereinsleben in der zweiten Jahreshälfte gestaltet, ist noch ungewiss. «Wir werden im Vorstand erst in der 2. Hälfte Juni das Programm für das 2. Halbjahr besprechen, einiges ist in Planung - aber noch nicht sicher verabschiedet.»

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