Corona-Opa

Glattgedanken

| Christian Ulrich

Seit Wochen bin ich Corona-Opa. Und Corona-Opas haben es schwer. Ich kann meine Enkel Rhea (7½) und Mats (5) nicht in die Arme schliessen, oder ich kann mich nicht mit dem Bilderbuch zwischen sie aufs Sofa setzen und erzählen. - Ich habe einen Bekannten, der älter ist als ich und mittlerweile mehrfacher Opa. Der hat von allem Anfang an seinen Kindern klargestellt: Fürs Enkelhüten bin ich nicht zu haben. Diese Haltung ist für mich völlig unverständlich.

 

Ich gebe zu, als mich meine Tochter vor acht Jahren fragte, wie ich denn von ihrem Kind genannt werden wolle, Grossvater oder Opa. Da wurde mir erst bewusst, dass mich das Leben in eine neue Rolle drängt, in welche ich mich zuerst eingewöhnen muss. Mittlerweile aber habe ich das geschafft. Ich vermisse die Kleinen sehr.

Aber, ich lebe die Opa-Rolle im Home-Office: Jeden Tag erzähle ich ein Kapitel aus dem „Rösslein Hü“ auf mein Smartphone, mit welchem ich auch gleich zwei, drei dazugehörige Bilder fotografiere. Via Computer kann ich beides nach Winterthur übermitteln und so meinen Enkeln zu einem Guetnacht-Gschichtli verhelfen. Mein Schwiegersohn hat die Geschichte bereits auf CDs gebrannt, nun können die Kinder selber damit umgehen. Und sie lieben sie heiss, die Geschichte vom hölzernen Rösslein.

 

Das Buch vom „Hü“ habe ich aus meinem Bücherfundus ausgegraben. Ich erinnere mich, dass uns seinerzeit der Unterstufenlehrer das Buch vorgelesen hatte und wir ihm dabei an den Lippen hingen. Das Buch der Mittelstufe war damals „Die Schwarzen Brüder“; die Geschichte der Kaminfegerjungen aus dem Tessin.

Auch wenn ich die Kleinen bald wieder sehen kann, ich brauche Erzählstoff-Nachschub. Glücklicherweise ist die Bibliothek wieder offen

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