Gestern in Montreux, heute in Glattfelden

| Ruth Hafner Dackerman

Die Stiftung Gottfried-Keller-Zentrum lud am Sonntagvormittag zu einer Matinée mit den «drei Musketieren». Diese eroberten das Publikum mit einer Mischung aus Jazz, Soul, Blues und Funk im Nu.

Die drei Musketiere – das sind sie: Andrea Janser, Roman Bieri und Silvan Lüscher. Mit Gitarre, Posaune und Gesang fällt es ihnen leicht, das Publikum im Gottfried-Keller-Zentrum zu begeistern. Frisch, frech, ungewöhnlich und hoch professionell treten sie auf. Den Auftakt macht das französische Chanson «Black Trombone», gefolgt vom jazzigen Stück «All of Me» und dem Blues «Gee Baby». Andrea Janser zaubert mit ihrer ausdrucksstarken, tiefen, rauchigen Stimme eine Atmosphäre voller Emotionen und Gefühle herbei, während die Posauneneinlagen von Bieri und die Rhythmen, Klänge und Soli der Bariton-Gitarre von Lüscher die bestmögliche Unterstützung geben. Freche Stücke wechseln sich ab mit melancholischen, die einzelnen Soloeinlagen erhalten Szenenapplaus. Die Musik fordert geradezu auf zum Mitwippen, Mitklatschen und beim Stück «Ne Na Na Na» sogar zum Mitsingen. Das Mani-Matter-Stück «Hemmige» entlockt manchem Besucher ein Schmunzeln. So tönt Harmonie, so tönt Eigenwilligkeit und Lebensfreude.

Gestern noch waren zwei der Musiker in Montreux an einem Auftritt, heute schon stehen sie in Glattfelden auf der Bühne. Daneben sind Andrea Janser und Silvan Lüscher an der Musikschule Zürcher Unterland tätig – sie unterrichtet Gesang und Musikalische Grundschule, er E-Gitarre und Band-Workshops. Die Freude an der Musik vereint das Trio seit rund drei Jahren, als sie mit Strassenmusik erste gemeinsame Erfahrungen in dieser Formation sammelten. «Wir proben situationsbezogen und immer, wenn es nötig ist», sagt Gitarrist Silvan Lüscher. Da das Repertoire aus einer Bandbreite von verschiedenen Musikstilen bestehe, seien die drei Musketiere für jegliche Art von musikalischen Auftritten prädestiniert. «Wir spielen in Clubs, an Festen, in der Kirche – unser Repertoire kann jedem Event angepasst werden», bestätigt Sängerin Andrea Janser.

Hinter jedem einzelnen Musikstück steckt sehr viel Aufwand, denn alle Songs werden selbst arrangiert. Oftmals bringe eines der Bandmitglieder eine Idee mit, das andere greife es auf, und nach vielen Proben werde das Stück ins Repertoire, welches inzwischen rund 70 Stücke umfasst, aufgenommen. Janser und Lüscher wollen Unterrichten und Spielen nicht gegeneinander aufwiegeln. «Beides geht sehr gut zusammen. Auf der Bühne steht man selbst im Zentrum, beim Unterrichten ist es der Schüler, welcher im Zentrum steht», sagt Lüscher. Beides sei eine Bereicherung.

Bevor es zum zweiten Teil des Matinée-Programms geht, nehmen sich die Musiker eine kurze Auszeit in den altehrwürdigen Räumlichkeiten des Gottfried-Keller-Zentrums. «Welches Stück spielen wir als nächstes? Was passt zum heutigen Publikum?» Die Musiker scheinen sich sofort einig zu sein. Ob es ein voller oder halb leerer Saal sei, spiele keine Rolle. «Wenn wir spielen, dann sind wir voll konzentriert und geben unser Bestes», bestätigt Lüscher. Voller Energie und Leidenschaft geht es denn auch zum zweiten musikalischen Teil der Matinée. Organisator Koni Ulrich ist begeistert: «Wie sind eigentlich Musketiere?», will er vom Publikum wissen und gibt gleich selbst die Antwort: «Frech, genauso wie die heutige Musik.»

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