Chlorothalonil-Rückstände im Glattfelder Wasser

Die Sonntagszeitung berichtete

| Yvonne Russi

Der Sonntagszeitung war zu entnehmen, dass im Glattfelder Grundwasser Chlorothalonil-Rückstände nachgewiesen wurden, welche die seit diesem Jahr gültigen Grenzwerte (0.1 Mikrogramm pro Liter) überschreitet.

Im Acker-, Gemüse, Wein- und Zierpflanzenbau eingesetzt

Chlorothalonil ist ein Fungizid, welches 1966 erstmals im Markt eingeführt wurde. Als Mittel gegen Pilzbefall wurde es ursprüngliche als Pflanzenschutzmittel verwendet. Es ist aber auch in mit Holzschutzmittel-belasteten Materialien nachweisbar. Da bei den Abbauprodukten von chlorothalonilhaltigen Pflanzenschutzmitteln eine Gesundheitsgefährdung, es steht im Verdacht krebserregend zu sein, nicht ausgeschlossen werden kann, hat das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) den Einsatz von Chlorothalonil mit Wirkung auf den 1. Januar 2020 verboten.

Die Abbauprodukte von Chlorothalonil sind im Grundwasser nachweisbar. Bedingt durch eine mögliche Gesundheitsgefährdung überprüfte das Bundesamt für Umwelt in 31 Gemeinden, darunter auch Glattfelden, das Grundwasser auf Rückstände dieses Pestizid. Anfänglich wurden diese Messdaten nicht publiziert. Erst auf Druck eines Gesuchs gemäss Öffentlichkeitsrecht musste das Amt die Messdaten nun freigeben.

Chlorothalonil seit 1. Januar 2020 verboten

Diese Daten zeigen für Glattfelden eine Überschreitung des seit Januar 2020 gültigen Grenzwertes um das Zweieinhalbfache. Gemessen wurde ein Wert des Chlorothalonil-Rückstandes R471811 von 0.25 Mikrogramm pro Liter Grundwasser. Dieser Messwert stammt aus einer im Jahre 2017 entnommenen Wasserprobe, welche im vergangenen Jahr durch das Wasserforschungsinstitut Eawag ausgewertet wurden.

Grundwasser nicht gleich Trinkwasser

Dieser zu hohe Pestizidwert gelangt glücklicherweise aber nicht in dieser Konzentration in unser Trinkwasser, da dem belasteten Grundwasser oft Quellwasser beigemischt wird. «Dem Grundwasser des Grundwasserpumpwerkes Rüteli II mischen wir bis zu einem Drittel Quellwasser bei», erklärt Gemeinderat René Gasser auf Anfrage. Doch aktuell würde dieser Drittel Quellwasser nicht reichen, um den vom Bund geforderten Grenzwert einzuhalten.

René Gasser, Vorsteher Infrastruktur und damit zuständig für die Wasserversorgung ist erstaunt über den von der Presse veröffentlichten Messwert und kann diesen nicht nachvollziehen. «Im Mai 2017 wurde das Grundwasser des Rüetli II unterhalb des Alters- und Pflegeheim Eichhölzli analysiert. Doch das sechsseitige Analyseprotokoll zeigt keine Messungen bezüglich Chlorothalonil-Rückstände R471811», erklärt sich Gasser. Auch in den Jahren 2018 und 2019 wurden im Auftrag der Gemeinde Glattfelden Wasserproben entnommen und umfangreich geprüft. Analysiert wurde aber ein andere Abbaustoff, nämlich der Chlorothalonil-Sulfonsäuregehalt R41788, welcher stets unterhalb der geforderten Grenzwerte lag.

Aktuelle Werte sind nun gefragt

Bei den beanstandeten Werten geht es nicht um Chlorothalonil-Rückstände R41788, sondern um das Abbauprodukt R471811. Und hierzu sind keine aktuellen Messwerte vorhanden. Gemeinderat Gasser veranlasste bereits eine Wasseranalyse, welche auch den Wert «R471811» beinhalten soll. René Gasser meinte hierzu: «Nächste Woche sollten die Messwerte vorliegen und wir werden diese wie immer offen kommunizieren.»

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