Und plötzlich laufen die Telefone auf der Verwaltung heiss

Gemeinde Glattfelden als Pionierin für Künstliche Intelligenz

| Ruth Hafner Dackerman

Seit Mitte April setzt die Gemeinde Glattfelden auf die Technologie SwissGPT, welche am 22. August letzten Jahres lanciert wurde. Man verspricht sich entscheidende Effizienzsteigerungen innerhalb der Gemeindeverwaltung.

Ausschlaggebend für das Projekt mit SwissGPT sei die 1.-August-Rede des renommierten Hirnforschers und Pioniers im Bereich Künstliche Intelligenz, Pascal Kaufmann, gewesen, erzählt Glattfeldens Gemeindepräsident Marco Dindo. «Das könnte etwas für Glattfeldens Behörden sein, und wir würden damit Geschichte schreiben.» Den Ideen folgten ziemlich schnell Taten. Bevor es am 16. April zum Kickoff kam und mit einer sechsmonatigen Testphase begonnen werden konnte, bedurfte es einiges an Vorarbeit. «Wir mussten einerseits das System bauen und dieses einige Monate zuvor pilotieren, andererseits viele Abklärungen bezüglich Datenschutz treffen», sagt Kaufmann.

Was sind die Vorteile von SwissGPT im Vergleich zu ChatGPT? Pascal Kaufmann weist auf die Sicherheit hin. «Diese Daten verlassen die Schweizer Grenzen nicht und sind absolut gesichert. Die gesamte Informatik ist im regionalen Informatikzentrum (RIZ) ausgelagert, welches tausende von Behördenarbeitsplätzen schweizweit verwaltet.» Datenzugriff gebe es nur für die Pilotnutzer unter den Mitarbeitenden. «Schon vor dem Rollout war das Interesse gross. Die entsprechenden Mitarbeiter wurden auf das neue System geschult. Arbeiten, welche früher stundenlang dauerten, können nun innert weniger Minuten erledigt werden.» Konkrete Beispiele? «Dokumente zusammenfassen, 300-seitige PDF in eine andere Sprache übersetzen, Baurechtsgesuche prüfen, E-Mails beantworten, Reden generieren.»

Die Kunst sei, die richtigen Fragen ans System zu stellen, das sogenannte «Prompting». Neue User müssten sich damit zuerst anfreunden, führt Kaufmann aus. «Das System kommuniziert mit uns. Wir können wie mit Menschen reden.» Je mehr das System mit Informationen gefüttert werde, desto schneller bekomme man ein detailliertes Ergebnis. Kaufmann erinnert sich daran, dass er anlässlich seiner Rede am 1. August etwas über die ausgewanderten «Glattfelter» im Zusammenhang mit Meghan Markle und ihren Glattfelder Wurzeln erfahren wollte. «Eine coole Story, doch auf Google fand ich nichts.» Nun fügt er ein aktuelles Beispiel an. «Was wurde in Glattfelden bereits zum Thema Bootssteg kommuniziert?» Die Antwort darauf erfolgt innert Sekunden. «Dokumente in mühsamer Recherchearbeit zusammenzusuchen und zu vergleichen – das war einmal.»

Gemeindepräsident Marco Dindo ist überzeugt von SwissGPT. Angesprochen auf die Kosten, will er keine Zahlen nennen – «ein Bruchteil eines Salärs eines Mitarbeiters pro Jahr». Der Pilot laufe über das normale Softwarebudget und sei Teil der bestehenden IT-Infrastruktur. Die Zeitersparnis bei Routinearbeiten sei aber enorm. Arbeitsplätze wolle man nicht wegrationalisieren. «Aber es bleibt definitiv mehr Zeit für das Personal, um mit Menschen zu interagieren und auf die Bedürfnisse der Einwohner Glattfeldens einzugehen.»

Das neue Modell stösst anscheinend auf viel Interesse von anderen Gemeinden. «Bei unserem Gemeindeschreiber laufen die Telefone heiss», freut sich Dindo. Man sei sehr an SwissGPT interessiert und wolle wissen, wie das Projekt angelaufen sei. «Für Glattfelden ist es schön, eine moderne Gemeinde mit modernsten Arbeitsmitteln zu sein.» Dindo lobt die gute Zusammenarbeit mit der Firma AlpineAI. «Wir bekommen jederzeit Unterstützung.» Auch er selbst profitiere von der neuen Technologie. «Der Aufwand für meine Ansprachen beträgt nur noch 20 Prozent», sagt er lachend.

Für Pascal Kaufmann und sein Team geht es nun daran, SwissGPT bekannt zu machen. Ja, für Schulen sei das sicher auch sinnvoll. «Wollen wir unsere Daten wie bei ChatGPT wirklich in die USA oder nach China weitergeben?» Bevor er sich um die Schulen kümmern wird, geht es auf Reisen nach Paris, Rom und München. Auch Europa will er mit ins Boot holen – mit dem Ziel, der beste und sicherste Anbieter zu sein. Dann dürfte sich Glattfelden damit brüsten, Vorreiter zu sein und in den Medien positive Schlagzeilen zu erzeugen – genau wie damals bei Prinzessin Meghan und ihren Glattfelder Vorfahren.

Zurück