17 mal TV-WM

Glattgedanken

| Christian Ulrich

Die laufende Fussball-WM ist die 17., die ich am Fernseher mitverfolge. Meine erste TV-WM ging 1958 in Schweden über den Rasen mit dem Finalspiel Schweden-Brasilien 5:2. Das war ganz nach meinem Geschmack, denn mein Herz klopfte eindeutig für die farbigen Ballkünstler aus Südamerika. Damals ging Pelés Stern auf. Um die TV-Übertragung in Schwarz-weiss mitverfolgen zu können, machte ich mit meinem Vater einen anderthalbstündigen Sonntagsspaziergang in das einzige Restaurant der Region mit einem Fernseher für die Öffentlichkeit.

 

1962 war Chile Veranstalter des Turniers und die Schweiz war dabei (Final: Brasilien-CSSR 3:1). Im zweiten Gruppenspiel brach der deutsche Verteidiger Horst Szymaniak unserem Stürmerstar Norbert Eschmann das Wadenbein. Gemäss damaligem Reglement mussten die Schweizer zu zehnt fertig spielen. Ich weiss noch genau, wie ich mich über den deutschen Brecheisenfussball aufregte. Die Eidgenossen verloren 2:1 und wurden Gruppenletzte.

 

1966 wurde in England gespielt. Ich jobbte als Tellerwäscher in einem Pub in London. Das Finalspiel lief in der 78. Minute, als Peters für die Engländer auf 2:1 erhöhte und die erste Runde Gratisbier lancierte. Man becherte fröhlich, bis eine Minute vor dem Schlusspfiff der Deutsche Weber zum 2:2 ausglich. Dann – das vergesse ich nicht mehr - wurde es schlagartig totenstill und männiglich brachte das angetrunkene Bier an den Tresen zurück. Die Verlängerung brachte den Engländern aber den 4:2-Sieg.

 

Und da ist noch das Hands-Tor von Maradona im Viertelfinalspiel Argentinien-England (2:1) an der WM in Mexico 1986. Es ist mir heute noch schleierhaft, wie man sich an einem Tor freuen kann, welches Millionen am TV in Zeitlupe als irregulär erkannten. Maradona warf damit die Engländer aus dem Turnier und besiegte später mit seinem Team im Final die Deutschen mit 3:2.

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