Interview mit Beat Verhein, langjährige Klassenlehrperson und Schulleiter in Glattfelden

Schule Glattfelden

| Doris Fenner

Kannst du deinen beruflichen Werdegang beschreiben?

Während der Zeit in der Kantonsschule war mein Traumberuf Pilot. Mein Vater wollte es aber genauer wissen und schickte mich zu einem teuer bezahlten Berufsberater. Dieser hat festgestellt, dass ich alles machen kann, mich aber der Pilotenberuf nicht glücklich machen würde. Ein Pilot muss sich strikt an seine Checklisten und die Vorgaben halten. Das würde mir schwerfallen.

 

Die Medizin hätte mich auch interessiert, doch traute ich mir das nicht wirklich zu, denn meine Stärken lagen in Deutsch und den Fremdsprachen und nicht besonders in Mathematik und Naturwissenschaften.

 

In meiner Wohngemeinde Affoltern hatte ich für einen Pfarrer BS- Unterricht und Sonntagsschule erteilt. Dazu musste ich einen Katecheten Kurs absolvieren. So kam ich zu meiner ersten Unterrichtserfahrung an 1. – 6. Klassen im Schulhaus Halden in Bachenbülach. Das Unterrichten hat mir Spass gemacht, auch wenn Primarschüler etwas jung waren. Somit absolvierte ich die Sekundarschul- und Fachlehrerausbildung und während der Semesterferien meinen Militärdienst sowie die Fremdsprachaufenthalte in Lausanne und Stratford-upon-Avon.

 

Den Einstieg als Klassenlehrer fand ich 1982 in Effretikon mit 32 Wochenlektionen. Ich kam direkt aus dem Militär und stand mit Fieber vor der Klasse, eine ziemliche Herausforderung. Aufgrund unsicherer Schülerzahlen wechselte ich nach vier Jahren von Effretikon nach Benglen in der Gemeinde Fällanden, an dieser Schule blieb ich dann fünfzehn Jahre.

 

Von 1995 bis 1999 absolvierte ich das Grundstudium in -Rechtswissenschaft, welches ich jedoch wegen der grossen zeitlichen Belastung aufgeben musste. Ich begann mich für IT zu interessieren, übernahm in der Schule die Verantwortung und den Support und gab Kurse. Ich hätte sowohl am Pestalozzianum als auch bei der Bildungsdirektion ein IT-Projekt übernehmen können; leider war die dortige Schulpflege damit nicht einverstanden. Zu dieser Zeit hatte ich jeweils Mittwochnachmittag sowie an Samstagen bei der Letec gearbeitet. Diese Firma bot mir im Jahr 2001 an, die Filialleitung in Volketswil zu übernehmen. Eigentlich sollte ich die Schulprojekte betreuen, de facto übernahm ich personelle, administrative und personelle Führung der Filiale auf.

 

Das Jahr in der Privatwirtschaft war sehr lehrreich und interessant, doch fehlte mir die Arbeit mit den Jugendlichen. Daher suchte ich wieder eine Stelle als Lehrer. Wichtig war für mich ein möglichst kurzer Arbeitsweg, denn vorher verbrachte ich bis zu einer Stunde im Stossverkehr. Schulen in Bülach, Glattfelden und Dielsdorf suchten damals Lehrpersonen. Jakob Hauser hat mich angerufen und zu einem Bewerbungsgespräch mit ihm und André Schurter eingeladen. Danach folgte noch eine Vorstellung vor versammelter Gesamtschulpflege. Jürg Liesch fragte mich u.a. vor was ich am meisten Angst hätte. So fand ich meinen Weg nach Glattfelden und fing im August 2002 in Glattfelden an. 2009 wurde ich angefragt, ob ich Interesse hätte die Schulleitung zu übernehmen. Diese neue Herausforderung fand ich sehr spannend. Die Ausbildung nebst dem Pensum als Lehrperson sowie als Schulleiter war bereichernd, aber auch anspruchsvoll. Die Jahre als Schulleiter haben mir sehr gefallen, ich konnte einiges bewegen und habe die Entscheidung zum Wechsel nie bereut. Nun gehe ich neun Monate vor der ordentlichen Pensionierung, damit Jonathan Müller nach der Verabschiedung seiner 1. Klasse die Schulleitung übernehmen kann.

Was wird für immer in deiner Erinnerung bleiben (Highlights, positiv, negativ)?

Ich arbeite seit April 1982 in verschiedenen Schulen. Ich habe dabei vieles erlebt, in Erinnerung bleiben vor allem die besonderen Unterrichtsformen wie Klassenlager und Projektwochen. Absolute Glanzlichter aus meiner Zeit in Glattfelden sind die während Projektwochen ausgeführten Wandertouren rund um Zermatt und die Bündner Haute Route.

 

Stolpersteine vergesse ich gern, besonders schwierig waren sicher die beiden Pandemiejahre. Menschlich getroffen haben mich Anfeindungen, welche sogar in einer Strafanzeige gipfelten. Diese wurde jedoch von der Staatsanwaltschaft abgewiesen. Dabei haben mir meine juristischen Vorkenntnisse sehr geholfen.

 

Ich durfte die Schule weiter entwickeln, dreimal haben wir bei der Evaluation durch die Fachstelle für Schulbeurteilung gut abgeschnitten. Den Teamspirit im Hof werde ich vermissen. Nun bin ich sehr zufrieden, ein bestelltes Haus zu hinterlassen und die Geschicke in Jonathan Müllers fähige Hand zu übergeben.

Nach der Pensionierung hast du hoffentlich mehr Zeit für ….? Auf was freust du dich?

Ich freue mich darauf, meine Agenda selbst zu bestimmen und tun zu können, was ich will.

Eigentlich wollte ich nach meiner Pensionierung als erstes einen Hund suchen, nun habe ich seit Januar bereits einen ausgebildeten Schutzhund. Hobart ist ausgezeichnet ausgebildet, ich hingegen habe noch viel zu lernen. Wir absolvieren zweimal pro Woche ein Training, zweimal im Monat geht’s auf Fährtensuche. Gerne würde ich auch die Via Alpina von Vaduz nach Montreux erwandern. Hobart muss sich dazu noch an die Bergwege gewöhnen und die täglich langen Etappen bewältigen.

 

Angefragt wurde ich bereits für Springereinsätze als Schulleiter. Man soll bekanntlich niemals nie sagen, doch für den Moment sage ich dazu nein, danke.

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