Radeln: Genuss pur!

Glattgedanken

| Christian Ulrich

Ein herrlicher Morgen. Die Sonne scheint. Es ist noch nicht heiss wie im Sommer. Es ist Velowetter. Ich radle nach Bülach. Ganz bewusst will ich die Fahrt geniessen, ziehe keine Sportkleidung an, nehme mein Alltagsrad, will bei der Ankunft nicht schwitzen. Das ist gar nicht so leicht umzusetzen, denn Richtung östlicher Dorfausgang steigt die Strasse. Ich halte mich zurück, nehme den ganz kleinen Gang und versuche, nicht schneller zu werden. Oben verlasse ich den Kreisel Richtung Wagenbreche und biege dann nach rechts ab. Bald schon bin ich alleine unterwegs.

 

Die Reifen meines Rads sind hart gepumpt, rollen auf dem festen Strassenbelag fast von selbst. Ein leichtes Lüftchen weht um meinen Kopf. Immer wieder kann ich das Pedalen einstellen, fliege ohne Zutun durch die Frühlingslandschaft. Genuss pur! Was für ein wunderbar geniales Fortbewegungsmittel ist doch das Velo. Das wird einem erst recht bewusst, wenn man – heute vor allem in der Stadt – die auf das absolute Minimum reduzierten Velos der Puristen sieht: Zwei Räder, das Rahmendreieck mit vorderer und hinterer Gabel, ein grosses und ein kleines Kettenrad, eine Kette, zwei Pedalen, eine Bremse und ein Sattel. Das reicht, um nur mit Muskelkraft den zu Fuss Gehenden „davonzufliegen“.

 

Ganz so leicht fiel dies dem Mannheimer Karl Freiherr von Drais im Juni 1817 noch nicht, als er mit seiner Laufmaschine ohne Pedalen, der „Draisine“, die erste längere Fahrt unternahm. Rahmen und Räder waren aus schwerem Holz und die Strassen nicht asphaltiert. Seine revolutionär einfache Erfindung wurde aber die „Mutter aller Fahrräder“ und läutete das Zeitalter der Einspurfahrzeuge ein. Dieser transparenten Einfachheit trägt die deutsche Sprache Rechnung: Sie nennt dieses wunderbare Fahrzeug Fahrrad oder schlicht Rad; und wer damit fährt, der radelt.

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