Unser täglich Brot

Glattgedanken

| Christian Ulrich

... gib uns heute und sorge bitte dafür, dass es bei uns und mit unserem Mehl produziert wird. So möchte ich das bekannte Gebet ergänzen, wenn ich den Artikel von Meret Schneider in der Sonntags Zeitung vom 12. Dezember 2021 lese. Die grüne Nationalrätin aus dem Kanton Zürich hat sich für eine Deklarationspflicht von Brot und Backwaren engagiert. Dies, nachdem sie – blauäugig wie sie gesteht – davon ausgegangen sei, dass hierzulande angebotenes Brot auch in der Schweiz produziert werde.

 

Auch ich ging bei den Backwaren im Coop immer davon aus, dass sie aus irgendeiner Schweizer Bäckerei kommen. Das scheint auch der Fall zu sein, wie ich festgestellt habe. Auf allen gebackenen Broten steht „Hergestellt in der Schweiz“. So weit so gut, aber im erwähnten Artikel lese ich Erschreckendes: „Seit 2015 werden jährlich gut 20'000 Tonnen Brotweizen nicht zu Mehl verarbeitet, sondern an Tiere verfüttert; in normalen Jahren sind das gut fünf Prozent der Ernte.“ Das führe dazu, dass sich in den letzten 20 Jahren der Import von Fertigbroten aus dem Ausland verdoppelt habe. Die Deklassierung zu Futterweizen werde durch die Branchenorganisationen vorgenommen, schreibt Schneider, und der Grund dafür liege wie so oft in der Stützung des Preises. Als Bäckerssohn schmerzt mich das erst recht. In meiner Jugend brachten Bauern aus dem Stammertal das Mehl aus ihrem Weizen in unsere Bäckerei. Sie bekamen kein Geld dafür, aber Brotmarken, mit welchen sie nachher ihr eigenes Brot günstiger kaufen konnten. Natürlich wurde so nur ein kleiner Teil der Brotproduktion abgedeckt, aber immerhin: Aus der Region - für die Region!

 

Etwas ganz Verrücktes erzählte mir jüngst ein Bekannter. Er habe im Aldi (oder Lidl) Frischbackgipfeli kaufen wollen. Auf der Packung musste er lesen, dass sie aus China kommen. Er habe sie zurückgelegt.

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