Bülach Startup mit Covid-Zertifikat als Kreditkarte

Sympathische Geschäftsidee dank Covid-Pandemie

| Andreas Nievergelt

Eine Bülacher Startup-Firma vertreibt den QR-Code des Covid-Zertifikats im Kreditkartenformat. Die beiden Jungunternehmer sind von ihrem Produkt überzeugt und haben gleichzeitig bei der Gründung des Geschäfts viel gelernt. Nun wollen sie den Schweizer Markt erobern.

«Wir arbeiten beide im Contact-Tracing. Meist ältere Personen riefen uns immer mal wieder an und beklagten sich, dass der QR-Code nicht mehr lesbar sei. Da sie kein Handy hatten, haben sie einfach einen Papierausdruck bei sich getragen, der aber mit der Zeit nicht mehr lesbar war», erklärt Marc Rolli den Gedanken hinter der Firmengründung. Marc Rolli und Marco Schmetzer haben zusammen in Bülach die Matura gemacht, danach im Militär gedient und sind nun im Contact-Tracing angestellt.

Die auf Plastik aufgedruckten Karten haben das gleiche Format wie eine Kreditkarte. Der Code, der Name des Zertifikatsträgers und das Geburtsdatum sind darauf ebenfalls ersichtlich. Also nicht anders als das Zertifikat auch auf dem Smartphone erscheint. Auf Verlangen wird dann einfach die Karte anstelle des Natels gezückt. Der QR-Code wird gescannt und die Gültigkeit so bestätigt.

«Nachdem wir die ersten Karten herausgegeben hatten, haben wir gemerkt, dass es auch für jüngere Leute durchaus Sinn machen kann. Da man den Ausweis normalerweise ja sowieso im Portemonnaie hat, kann man der Einfachheit halber auch gleich beide Karten zeigen», sagt der 20-jährige Schmetzer.

 

Nachdem sich die beiden Jungunternehmer entschieden hatten, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen, machten sie sich auf die Suche nach einem Kartendrucker. Sie wurden auf tutti.ch fündig. Nach ersten Tests stand das Produkt bereit. Gleichzeitig gestalteten sie eine Website unter dem Namen www.kartenzertifikat.ch. Ihr Produkt kostet moderate 11,90 Franken. Bezahlt werden kann mit Twint, PayPal oder Vorauskasse. Bei Bestellung bis 20 Uhr wird die fixfertige Karte schon am nächsten Tag auf die Post gebracht. «Mit A-Post-Marke selbstverständlich und ohne weiter Kosten», schmunzelt Schmetzer.

 

Im ersten Betriebsmonat haben Marco Schmetzer und Marc Rolli rund 50 Karten verkauft. Fast ausnahmslos durch Mund-zu-Mund-Werbung. Nun möchten sie die umliegenden Alterszentren, Apotheken und Ärzte anschreiben. «Wir können uns gut vorstellen, dass verschiedene Senioren dankbar wären, eine Kartenlösung für das Zertifikat zu haben», sagt der 22-jährige Rolli. Im Zeitalter des Persönlichkeitsschutzes stellt sich natürlich auch die Frage, was mit den Daten nach Ausdruck der Karte passiert. Die Firma versichert deshalb auf der Website: «Ihre Daten werden ausschliesslich zur Erstellung der Karte verwendet und anschliessend innerhalb von 7 Tagen von unseren Servern gelöscht.»

 

Wie viele Karten möchten die beiden Jungunternehmer denn im ersten Jahr verkaufen? «Ein Umsatz von unter 100'000 CHF wäre gut. Sonst käme dann die Umsatzsteuer ins Spield», lacht Marc Rolli. «Nein, einfach so viele wie möglich», ergänzt Marco Schmetzer. Doch der Kartenumsatz ist nicht der alleinige Antrieb, wie die beiden Entrepreneure belegen. Schmetzer: «Wir wollten auch einfach einmal sehen, was es denn so alles braucht, um eine Firma zu gründen und zu betreiben. Da haben wir in der kurzen Zeit schon sehr viel gelernt.»

 

Karten können über www.kartenzertifikat.ch bestellt werden.

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