Was ist Kunst?

Glattgedanken

| Christian Ulrich

Das möchte ich auch gerne wissen. Kann man diese Frage überhaupt schlüssig beantworten? Das Internetlexikon Wikipedia nennt zuerst die vier Kunstrichtungen und holt dann weit aus. Zwei Sätze des Erklärungsversuchs scheinen mir fest-haltenswert: 1. Der Kunstbegriff unterliegt einem ständigen Wandel. 2. Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses.

 

Waren denn die schwarzen Strichmännchen des Zürcher Sprayers Harald Nägeli das Ergebnis eines kreativen Prozesses? Diese Frage stand beim Zürcher Stadtrat und bei der Polizei vor rund 40 Jahren etliche Male gross im Raum. Zuerst wurde sie mit Nein, später mit Ja beantwortet. Der DOK-Film über Harald Nägeli ist der aktuelle Anlass für mein Thema. Er war am Zürcher Filmfestival zu sehen und wird auch noch in die Kinos kommen. Kaum ein anderer hat wie Nägeli mit seinen Aktionen die Frage „Was ist Kunst?“ in den 1970er- und 80er-Jahren weltweit öfter aufs Tapet gebracht. Seine Sprayereien an Hauswänden wurden zuerst als Sachbeschädigungen eingestuft. Er wurde mit internationalem Haftbefehl gesucht, 1983 in Deutschland verhaftet, für sechs Monate in den Knast gesteckt - und 2020 mit dem Kunstpreis der Stadt Zürich ausgezeichnet.

 

Ist die Qualität eines Kunstwerks abhängig von der Person, die es erschaffen hat? Eigentlich dürfte das nicht so sein. Aber für die simpelste Skizze eines Picasso werden doch heute mehrere Tausender hingeblättert. Im erwähnten Nägeli-Film beschwert sich ein Hausbesitzer bei der Polizei über die schwarze Sprayerei an der Gartenmauer. Er möchte sie wegmachen lassen, erfährt dann aber, dass es ein „echter Nägeli“ sein könnte und lässt sie stehen.

 

Der Film ist überaus sehenswert und zeichnet ein sehr umfassendes Bild des bald 82jährigen, sympathischen Künstlers, den man kaum kennt.

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