Reisetagebuch: Wüstenpferde und Diamanten

Vermischtes

| Silvia und Beat Plüss

Wir sitzen im Stübli und vor unserem offenen Fenster liegt die unendliche Weite der Naukluft-Wüste. Wenige Meter vor unserem Fenster stehen 16 Wüstenpferde im Schatten eines Unterstandes und daneben an der Sonne eine Stute mit ihrem Fohlen, das erst vor ca. einer Stunde geboren wurde! Wackelig lehnt es sich auf seinen «Stelzenbeinen» an die Mutter und versucht immer wieder alleine zu stehen. Es dauert, bis es endlich selber ein paar Schritte machen kann. Wenige Stunden nach der Geburt trabt die ganze Herde mit dem Fohlen zurück in die endlose Wüste.

 

Die Pferde wurden Anfang des 20 Jh. von Deutschland per Schiff nach Lüderitz gebracht und hier als Rennpferde gezüchtet. Während des Ersten Weltkrieges wurden die Farmen verlassen, die Pferde entwichen und fanden beim Bahnhof Garub Wasser. Das Wasser wurde für die Dampflokomotive der 300 km langen Bahnstrecke von Keetmanshoop nach Lüderitz benötigt. Deshalb überlebten die Pferde und vor zehn Jahren gab es noch 300 Wüstenpferde. Nach einer langen Dürreperiode und der Zunahme der Hyänen, die es auf die Fohlen abgesehen hatten, zählte man vor drei Jahren nur noch 80 Pferde. Man entschied sich, die Hyänen zu dezimieren. Diese Massnahme sowie zwei regenreiche Jahre liessen die Population wieder wachsen.

 

Gestern waren wir schon einmal beim Wasserloch und wollten da Frühstücken. Der Kaffee musste aber warten, denn plötzlich trabten 17 Wüstenpferde zum Wasserloch. Während des Frühstücks tauchten noch neun Oryx und acht Strausse auf. Interessant war zu beobachten, wie die Pferde Vorrang hatten. Die Strausse mussten bis am Schluss warten. Lustig war auch zuzusehen, wie die Strausse trinken. Sie füllen den Mund, dann recken sie den Hals in die Höhe, damit das Wasser in den Magen läuft!

Sandsturm

Auf dem Weg nach Lüderitz ans Meer fahren wir an immer mehr Sanddünen vorbei und der Wind nimmt stark zu. Wie bei uns im Winter den Schnee, schiebt man hier mit einem Bagger den Sand von der Strasse! Bei Wind ist das eine «never ending story». Im einzigen Camp in der Stadt auf der Halbinsel Diaz wollen wir übernachten. Aber wir werden bei diesem Sturmwind richtig gehend sandgestrahlt! So beschliessen wir, beim Portugiesen Restaurant in der Stadt zu fragen, ob wir auf ihrem Parkplatz übernachten dürfen. Natürlich essen wir dann dort hervorragenden Fisch. Noch eine Bemerkung zum Fisch: In Namibia erhält man praktisch keinen Frischfisch auf den Teller, ausser in den Küstenstädten Swakopmund, Walvis Bay, Lüderitz und Oranjemund. Dabei hat Namibia sehr ertragreiche Fischgründe im kalten und sehr nährstoffreichen Benguelastrom vor seiner Küste. Die Gewässer werden aber illegal oder über Konzessionen von schwimmenden Fischfabriken aus der ganzen Welt abgefischt. Durch Korruption versickert ein Grossteil des Ertrags und den Namibiern bleibt nichts.

 

Diamantenrausch

Bei Lüderitz steht die Geisterstadt «Kolmanskop» in der wir eine hervorragende Führung in deutscher Sprache geniessen. Wir kommen nicht aus dem Staunen heraus! Alles deutsche Gründlichkeit! 1903 fand ein Eisenbahnarbeiter Diamanten die auf dem Sand lagen. Der Diamantenboom begann und der Ort «Kolmanskop» entstand. Alles dafür Benötigte wurde per Schiff aus Deutschland hierhergebracht! Möbel, Telefone, Stromzubehör, Kaffeemaschinen, der erste Röntgenapparat im südlichen Afrika, Toiletten, Turngeräte etc. Das Spital fasste 250 Betten, Eis für die Kühlschränke wurde mit Salz- und Süsswasser hergestellt, Swimmingpool, Kegelbahn, eigene Metzgerei und Wursterei, Bäckerei, Stromherstellung mit Kohle aus Südafrika usw. Ein kleines Deutschland mitten in der Wüste! Für die Diamantensuche stellte man Indigene ein und stattete sie mit Zweijahresverträgen aus. Sie robbten auf dem Sand liegend vorwärts und lasen die Diamanten wie Schokoeier an Ostern zusammen! Vor ihrer Entlassung flösste man ihnen Rizinusöl ein! Wehe, man fand dann, nach der kontrollierten Darmentleerung Diamanten! Brieftauben wurden ebenfalls mit Diamanten gefüttert, um diese zu schmuggeln. Deshalb ist es bis heute verboten, Brieftauben zu halten! 1933 war der ganze Spuk vorbei, die Stadt wurde dem «Sand übergeben».

Hunderte Kilometer Wüste entlang der Küste sind Sperrgebiet mit vielen Diamantenminen. Wir erfahren auch, dass es Spezialschiffe, ausgerüstet mit riesigen «Saugern» gibt, die vor der Küste den Meeresboden bis zu einer Tiefe von 150 m absaugen. Die Erträge sind deutlich grösser als in den Minen.

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