Im Rütifeld entstehen biodiverse Flächen

Kiesabbau

| Karin Steiner

Nach und nach werden die riesigen Kiesabbaugebiete im Rütifeld wieder mit dem Aushub von Baustellen aufgefüllt. Danach entstehen dort nebst landwirtschaftlichen Nutzflächen naturnahe Gebiete und Wanderbiotope.

 

Es ist ein stetiges Kommen und Gehen. Gefüllte Lastwagen fahren die steile Strasse hinunter und entleeren im Bereich der riesigen Grube, in der die Kibag ihre Kiesabbauarbeiten beendet hat, ihre Ladung, die aus unverschmutztem Aushub von Baustellen aus der ganzen Region und aus der Stadt Zürich besteht. Während ein grosser Dozer in der Grube das Erdreich verteilt und ebnet, fährt der Lastwagen zum Kieswerk zurück und wird dort mit aufbereitetem Kies neu gefüllt, der in die Betonwerke gebracht wird. «Wir vermeiden der Umwelt zuliebe Leerfahrten», sagt Oliver Niederhauser, Bauingenieur und Projektleiter für den Abbau und die Rekultivierung des Kiesabbaugebiets Rütifeld. Bis die ganze riesige Grube wieder aufgefüllt ist, dürften jedoch Jahre verstreichen.

15 Prozent naturnahe Flächen

Die vier Firmen Kibag, Toggenburger, Bereuter Baustoffe & Transporte und Hildenbrand Kies AG bauen im Rütifeld Kies ab. Ihnen gehört grösstenteils auch das Land. Für die Rekultivierung der Kiesgruben haben sie gemeinsam die IG Rütifeld gegründet, der Fachleute verschiedener Richtungen angehören. Ein kantonaler Gestaltungsplan gibt vor, wie die Flächen nach dem Abbau wieder rekultiviert werden müssen. «Auf 15 Prozent der Gesamtfläche entstehen naturnahe Gebiete, der Rest des Landes wird wieder an Landwirte verpachtet», so Oliver Niederhauser. Gemeinsam werden Pläne für biodiverse Areale erstellt, mit Magerwiesen, Tümpeln, Ast- und Steinhaufen und Hecken. «Die Natur soll sich die Regionen zurückerobern können.»

Ein wichtiger Rohstoff

Kies und Sand sind die wichtigsten Rohstoffe der Schweiz. Sie entstehen über Millionen von Jahren durch den Zerfall von Felsgesteinen aus dem Gebirge. Die grössten Kies- und Sandvorkommen sind durch die Vergletscherung der letzten Eiszeiten entstanden. In Bächen und Flüssen werden die Gesteine transportiert und erhalten so ihre typischen Abrundungen. Auf den meisten grösseren Kiesvorkommen wurde ehemals Ackerbau betrieben. Während des Kiesabbaus wird bereits darauf geachtet, dass in den steilen Hängen, an denen nicht gearbeitet wird, und an den Rändern der Kiesgruben möglichst viele Pflanzen und Insektenarten einen Lebensraum finden. So hört man aus den Tümpeln entlang der Naturstrassen im Rütifeld Frösche quaken, und mit etwas Glück entdeckt man eine Libelle im Vorbeiflug. Auch seltene Tiere wie Gelbbauchunken, Kreuzkröten und Uferschwalben fühlen sich in den Abbaugebieten wohl.

In den grossen Kieswerken werden Kies, Ton und Sand durch mechanische Siebung nach Korngrössen voneinander getrennt. Daraus entsteht hauptsächlich Beton für den Häuser-, Brücken- und Strassenbau und für andere Betonerzeugnisse. Aber auch für Waldwege und den Bau von Naturstrassen wird Kies eingesetzt. Ist die Kiesgrube fertig abgebaut und wieder aufgefüllt, werden nach Plänen verschiedene naturnahe Flächen geschaffen, die möglichst vielen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum bieten sollen. So entstehen Sandflächen, trockene Magerwiesen, Wildtierkorridore, aber auch feuchte Gebiete mit Flachtümpeln sowie eine neue Uferschwalbenbrutwand. Auch setzen die Kieswerkbetreiber Massnahmen zur Neophytenbekämpfung um. Dem Kiesabbau seien auch viele ökologische Aspekte abzugewinnen, sagt Oliver Niederhauser. Es ist eine Art Kreislauf: Aus bestehenden landwirtschaftlich genutzten Flächen wird Humus und Unterboden abgetragen und zwischengelagert, anschliessend wird der Kies abgebaut, wobei während des Abbaus Wanderbiotope geschaffen werden, dann wird die Kiesgrube wieder aufgefüllt und es beginnt die Rekultivierung und Renaturierung mit der Pflanzung von neuen Bäumen, Hecken und der Schaffung von unterschiedlichen Dauerbiotopen.

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