Digitalitäten

Glattgedanken

| Christian Ulrich

Digitalitäten (DTT) nenne ich spezielle Vorkommnisse, die meinen Umgang mit den elektronischen Medien begleiten. Von dreien will ich hier erzählen:

 

DTT A: Ich habe eine Schwäche für Motorräder, fahre selber seit Jahrzehnten und interessiere mich - auch via Internet - für ihre Technik. Daneben schreibe ich – zum Beispiel diese Kolumne. Nun erkunde ich mich per Duden (www.duden.de) nach der Schreibweise eines Wortes und bekomme prompt zwischen grammatikalischen Erläuterungen Werbung für Motorradvergaser serviert.

 

DTT B: Meine Frau Margrith und ich fahren mit ihrem Bruder in seinem Auto nach Weesen am Walensee, wollen von dort aus wandern. Ausserhalb Weesens stellen wir das Auto auf einen Parkplatz mit Parkingmeter. Margrith bezahlt mit Twint und bekommt eine Quittung auf ihr Smartphone. Ich frage sie, was sie als Daten eingeben musste. Sie sagt, sie habe ausser der Parkzeit gar nichts eingegeben. Wir fragen uns, wie denn kontrolliert werden könne, für welches Auto die Parkdauer bezahlt worden sei. Doch halt, was sehe ich denn da? Zuoberst auf der Quittung steht das ZH-Kontrollschild. Wie kommt das? Wir sind perplex. Doch dann erinnert sich Margrith: Vor etlichen Wochen war sie mit ihrem Bruder in Chur und hat dort ebenfalls mit Twint das Parking für sein Auto bezahlt.

 

DTT C: Ich trinke gerne Tee zum Frühstück, kaufe ihn immer offen und fülle ihn in kompostierbare Beutel ab. Die Beutel gehen mir bald aus. Damit ich im Supermarkt wieder dieselben erwische, will ich die Packung mit dem Smartphone fotografieren. Ich lege die Packung auf den Küchenkorpus und zirkle sie sauber auf den Bildschirm meines Handys. Noch bevor ich den Auslöser berühre, erscheint auf dem Display ein Balken mit Werbung für ebendiese Teebeutel. – Ist alles irgendwie praktisch, verrückt und auch beängstigend, oder nicht?

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