203 Hände gingen für das Zweidler Primarschulhaus hoch

Gemeindeversammlung

| Ruth Hafner Dackerman

Nach drei Stunden endete die Gemeindeversammlung am Dienstag mit einem klaren Ja zum Planungskredit der Variante A, bei welchem am Schulstandort Zweidlen festgehalten wird. Angenommen wurde zudem die Jahresrechnung 2020. Mit 253 Stimmberechtigten war die Beteiligung rekordhoch.

253 Glattfelder Stimmberechtigte (8 Prozent) erschienen am Dienstagabend in Scharen in der Mehrzweckhalle Eichhölzli. Der Grund war weniger die abzunehmende Jahresrechnung als vielmehr das Thema Erweiterung des Schulraums und die Frage, ob am Standort Zweidlen festgehalten wird.

 

Die Zweidler konnten offenbar mobilisiert werden, denn sie kämpften emotionsgeladen und mit zahlreichen Voten für «ihr» kleines Schulhaus. «Wollen wir unser ‘Schlössli’ behalten? Wenn ja, kostet es etwas mehr. Mir wäre es das wert», plädierte ein Anwesender und erntete mit seiner Aussage Applaus. Das Billigste sei nicht immer das Beste, betonte ein weiterer Stimmberechtigter. Eine Mutter monierte die fehlende Zeit über Mittag, falls die Kinder aus Zweidlen im Eichhölzli zur Schule gehen müssten. «Die Kinder sollen im eigenen Dorf zur Schule gehen dürfen. Denken Sie an die Kinder und nicht an die Finanzen.» Auch einige kritische Stimmen waren zu hören. So tauchte die Frage auf, ob auch in Zweidlen die Schülerzahlen zunehmend seien. «Sie bleiben in etwa gleich», lautete die Antwort von Adrian Rösti, Schulpräsident und Vorsteher Bildung. Allerdings könne man nicht prognostizieren, wie es mit den Zuzügen in Zweidlen in Zukunft aussehe. Die Frage nach dem Unterhalt und den Kosten des Betriebs tauchte auf, genauso wie diejenige nach möglichen Finanzierungseinsparungen. «Zuerst sagten wir Ja zu einer Steuererhöhung von 5 Prozent, und jetzt braucht man das alles für die Schule? Gibt es kein Sparpotenzial?»

Die Weichen für die Zukunft der Schule sind nun gestellt

Abgestimmt wurde nach der Diskussion über den Projektierungskredit zu den beiden Varianten A (mit Standort Schulhaus Zweidlen) und B2, bei welcher einzig der Kindergarten in Zweidlen bestehen bleibt. Mit 203 Stimmen fiel das Ergebnis für die Variante A äusserst deutlich aus. Nur 24 Gegenstimmen bevorzugten Variante B2. Der Projektierungskredit fällt nun mit 1,575 Millionen um 175 000 Franken höher aus. Der Gesamtaufwand für die Schulraumerweiterung und die Sanierung des Schulhauses in Zweidlen wird sich auf 15,9 Millionen Franken inklusive einer Million Reserve belaufen.

Nicht völlig unerwartet wurde von einem Stimmberechtigten der Antrag gestellt, die Sanierung des Zweidler Schulhauses ohne Minergie-Standard zu planen, welcher mit 114 Ja- zu 63 Gegenstimmen angenommen wurde. Ein zweiter Antrag, nach Vorprojektergebnissen eine erneute Abstimmung durchzuführen, wurde hingegen klar abgelehnt.

Jahresrechnung 2020 genehmigt

Vor der Abstimmung über die Schulraumplanung hatten die Stimmberechtigten über die Rechnung zu befinden. Diese schliesst bei einem Aufwand von 37 Millionen Franken mit einem Minus von knapp 1,3 Millionen Franken Somit wurde um 194 000 Franken schlechter abgeschnitten als budgetiert. Diese Tatsache ergab Anlass zu mehreren Fragen und Bemängelungen vonseiten der Stimmbürger. Etliche Mehrkosten seien eine Direktfolge der Corona-Pandemie, erklärte Michèle Dünki-Bättig, Vorsteherin Finanzen, Steuern und Liegenschaften. Eher auf Unverständnis fiel die Tatsache, dass für eine Standortevaluation inklusive Vorprojekt für ein neues Gemeindehaus 230 000 Franken ohne vorgängige Budgetierung ausgegeben wurden. «Dieser Betrag liegt in den finanziellen Kompetenzen des Gemeinderates», erläuterte Gemeindepräsident Ernst Gassmann. Auch die Frage nach 175 nicht bearbeiteten Baugesuchen tauchte auf. «Haben wir noch mehr solche Leichen im Keller?». Man arbeite immer gleich effizient, lautete die Antwort von Martina Schurter, Vorsteherin Hochbau und Planung. «Doch neu muss alles elektronisch erfasst werden, was eine gewisse Einarbeitungszeit bedingt.»

Sämtliche neun Einbürgerungen wurden gutgeheissen, bevor der Gemeindepräsident gegen 23 Uhr die Gemeindeversammlung schloss. Da diese nach Redaktionsschluss für die heutige Printausgabe stattfand, wird der Artikel erst in der Auflage vom 24. Juni zu lesen sein.

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