Später Ehrendoktortitel für „einen von uns“

Klarinettist und Musikforscher Harald Strebel erhielt die Ehrendoktorwürde

| Koni Ulrich

Der heute in Embrach lebende, aber in Glattfelden aufgewachsene Klarinettist und Musikforscher Harald Strebel hat Ende April in München die Ehrendoktorwürde (Dr. phil. h. c.) erhalten. Sie wurde ihm gemeinsam von der Ludwig-Maximilians-Universität und der Hochschule für Musik und Theater verliehen, namentlich für seine Mozart- und Klarinettenforschungen.

Letztmals hat man in unserem Dorf vom dereinst hier aufgewachsenen Harald ─ hier vor allem unter dem Rufnamen „Harry“ bekannt gewesenen ─ Strebel als Buchautor gehört. Sein vor zwei Jahren im Gottfried Keller-Zentrum vorgestelltes Bändchen „Der Komponist Conradin Kreutzer und seine Anna Huber aus Glattfelden“ war nur eine von vielen Publikationen, die der Musiker zeit seines Lebens verfasst hat. Dem Kulturzentrum ist er bis heute als Mitglied treu geblieben. Unter Strebels früheren Büchern finden sich etwa Titel wie „Der Freimaurer Wolfgang Amadé Mozart (1991)“, Mozarts Schwägerin Aloysia Lange (2003)“ oder das dreibändige Werk „Anton Stadler, Wirken und Lebensumfeld des Mozart-Klarinettisten 2016/2020“.

Spieler und Forscher

Nun ist dem eben 79 Jahre alt gewordenen bekannten Klarinettisten und Musikhistoriker am 24. April anlässlich des musikwissenschaftlichen Symposiums „Historische Blasinstrumente: Bau – Spiel – Klang – Sinn“ in München die Ehrendoktorwürde verliehen worden. Übergeben wurde die Urkunde von Professor Bernd Redmann, dem Präsidenten der Hochschule für Musik und Theater, die Laudatio hielt Irene Holzer, Professorin für Musikwissenschaft an der Ludwig-Maxilmilians-Universität in München, und zwar „in Würdigung seiner aussergewöhnlichen wissenschaftlichen Leistungen in der Musikwissenschaft, insbesondere seinen Arbeiten zu Werk und Leben von Wolfgang Amadeus Mozart sowie zu organologischen Fragen der Klarinetteninstrumente“.

 

Schon während, aber auch nach seiner Musiker- und Musiklehrerkarriere begann Strebel zunehmend zu forschen und so sein Wissen und seine Erfahrungen für andere aufzuschreiben und weiterzugeben. So heisst es denn auch seitens der Hochschule für Musik und Theater: „Dank seiner langjährigen Erfahrungen als ausübender Musiker zeichnen sich Harald Strebels Arbeiten nicht nur durch einen hohen wissenschaftlichen Standard und ein tiefes geschichtlich-musikalisches Verständnis aus, sondern durch seine exzellenten Kenntnisse des historischen Instrumentariums.“

Einer von uns

Harald Strebel ist in Glattfelden aufgewachsen, hier zur Schule gegangen und hat 1953 mit dem Klarinettenspiel in der damaligen Knabenmusik begonnen. Nach dem Musikstudium in Winterthur und Zürich zog es ihn bald einmal ins Ausland. So war er in den Sechziger- und Siebzigerjahren Solo-Klarinettist im PACT-Symphony-Orchestra Pretoria und im Cape Town Symphony Orchestra. Zudem unterrichtete er unter anderem als Dozent an der Musikfakultät der Universität Kapstadt. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz wirkte er neben dem Unterrichten – unter anderem an der KZU in Bülach bis 2004 – als Solist und Gastspieler in diversen Orchestern und Kammermusikformationen, so im Musikkollegium Winterthur und im Zürcher Tonhalle-Orchester. 1997 gründete er zusammen mit anderen Klarinettisten das Oktett „Amadé“, welches er 15 Jahre leiten sollte. Spielen, unterrichten und forschend darüber schreiben, das war Strebels Credo in seinem Musikerleben.

 

Als Harald Strebel diesen Frühling von seiner Ehrung erfuhr, war er zunächst völlig überrascht. Dies, obwohl ihm schon länger diesbezügliche „Anspielungen“ zugetragen worden waren, was ihn aber nicht sonderlich beschäftigt hatte. „Es ist in der Tat schon recht gewöhnungsbedürftig, im vorgerückten Alter vor meinem Namen plötzlich den besagten Titel zu lesen,“ sagt Strebel heute. Diese Ehre bedeute ihm vor allem stille, innere Genugtuung für seine jahrzehntelangen Bemühungen, wissenschaftlich redlich, sorgfältig und quellenbasiert zu arbeiten. „Dass ich mein praktisches und musikalisches Wissen an unzählige Menschen weitergeben durfte, erfüllt mich zutiefst“, so der frischgebackene Ehrendoktor.

Sporen in der Knabenmusik abverdient

In Glattfelden wurde Strebels offenbar früh zutage getretene Musikalität von verschiedenen – heute längst nicht mehr unter uns weilenden ─ Menschen erkannt und gefördert. Allen schulde er bis heute seinen tiefsten Dank, sie blieben ihm unvergesslich, sagt der heutige Embracher. Stellvertretend für viele sei der einstige Sekundarlehrer Hans Leuthold angeführt, der in ihm die Liebe zur klassischen Musik und insbesondere Mozart entscheidend weckte. Dem Schreibenden bleibt bis heute präsent, wie der Klarinettist das Adagio von Mozarts Klarinettenkonzert in A Dur anlässlich Leutholds Abdankung in der Glattfelder Kirche intoniert hat. Ausserdem, so betont Strebel: „Wäre 1953 nicht die Knabenmusik gegründet und mir eine Klarinette in die Hände gedrückt worden, hätte mein Lebenslauf gewiss eine andere, unbekannte Wendung genommen."

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