Wir haben dich nicht vergessen

Gedenken an Bruno Meier

| Fabricio Meier und Roger Suter

Der erste «Jahrestag»

Bereits jährt sich dieser Tag. Die geläufige Redewendung, dass die Zeit wie im Flug vergehe, erschien mir immer als eine übermässig gebrauchte Floskel – nicht so an diesem Tag. Vieles ist geschehen in diesem Jahr. Möglicherweise greife ich daher zum digitalen Stift und Papier und versuche einigen Gedanken freien Lauf zu lassen.

 

Da schrieb mein Papi 38 Jahre für den «Glattfelder» unzählige Artikel mit einer scheinbaren Leichtigkeit, und mir fällt es schwer, auf ein paar Zeilen die richtigen Worte zu finden. Der Versuch, ein solch gelebtes und dennoch zu kurzes Leben angemessen zu würdigen, ist schwierig – wenn nicht unmöglich. Nicht schwierig zu erahnen ist hingegen, dass mein Papi die vier Dekaden in den Diensten als rasender Reporter noch so gerne erreicht hätte. Womöglich hätte er sich auch über den redaktionellen Beitrag eines seiner Sprösslinge in «seiner» Zeitung gefreut, wenn auch nicht unter solchen Umständen.

 

Im Wissen, dass ich mein restliches Leben ohne ihn verbringen werde, finde ich oftmals Trost beim Durchstöbern der Archive. Durch sein schreiberisches Schaffen für den «Glattfelder» darf ich meinen Papi immer noch von neuen Seiten kennenlernen und erkenne gleichzeitig einige seiner wichtigsten Eigenschaften darin: Eine unbegrenzte Neugier für die kleinen und grossen Geschichten. Ein kritischer Blick auf die Geschehnisse, und zwar nicht auf eine aufsässige Art, sondern auf eine achtsame und aufmerksame Weise. Und schliesslich die Mitmenschen des alltäglichen Dorflebens, die er immer ins Zentrum rückte und so schätzte. Denn diese schrieben seiner Meinung nach die besten Geschichten, die es dann «nur» noch auf Papier zu bringen galt.

 

Für Papi wünsche ich mir, dass er in den Gedanken von vielen lieben Mitmenschen weiterleben darf und das sein journalistisches Vermächtnis bewahrt sowie weitergeführt wird. Mir wünsche ich, kommende Herausforderungen ebenfalls neugierig, kritisch und stets auf das Wohl der Mitmenschen bedacht, anzupacken.

 

Abschied nehmen heisst, nicht zu vergessen. Wir vermissen Dich, Papi!

Fabricio Meier

Lieber Bruno

Theologen, Wissenschaftler und Agnostiker würden wohl debattieren, ob es sinnvoll ist, Dir einen Brief über das vergangene Jahr zu schreiben, oder ob Du sowieso schon alles weisst. Aber weil sich das kaum je klären lassen wird, mache ich es trotzdem.

 

Vielleicht bekommst Du ja noch mehr Briefe. Denn die Menschen in Glattfelden haben einiges auf dem Herzen: Die Finanzen der Gemeinde sind in Schieflage, die Post will weg und wurde kürzlich sogar zweimal überfallen. Und die Menschen haben genug von Corona: Freunde nicht treffen können, keine Anlässe, Verwandte, Freunde besuchen, statt Gesichtern Masken ansehen, Abstand halten.

 

Auch Dir missfiele das: Telefonieren statt persönlich treffen, Mails schreiben statt verabreden, Videochat statt Dorfbeiz. Du wusstest Bescheid, weil Du die Leute kanntest, und weil sie Dich kannten. Das schafft mehr Vertrauen als eine E-ID.

 

Ich vermisse unsere „Planungstelefonate“, die oft in Gesprächen über Gott, die Welt und Glattfelden endeten. Oder auch ein Besuch im Schlossacher, nur einen Katzensprung von meinem Homeoffice entfernt.

 

Lieber Bruno, dieses Jahr hat uns vieles genommen. Manches kehrt vielleicht zurück; aber das (oder der) Beste leider nicht.

Roger Suter

Zurück